
Verlorene Backlinks - Wo SEO Tools uns täuschen
Im Rahmen eines Kundenauftrags zur Sichtbarkeitsanalyse habe ich mich den Backlinks gewidmet. Ganz speziell den verlorenen Links. Dabei sind mir spannende Dinge aufgefallen.
Ein weit verbreitetes SEO-Tool zur Analyse von Backlinks ist AHREFS. Dieses Tool hat mir in den letzten Wochen zahlreiche verlorene Backlinks geliefert.

Der obige Screenshot zeigt verweisende Seiten mit z.T. sehr ordentlichen Domain Ratings auf Weiterleitungen, bei denen der Link entfernt wurde ("Link removed").
Eine Sichtprüfung des Links ergab jedoch, dass die Verlinkung sehr wohl noch funktioniert. Mit dem Link Redirect Trace, einem Chrome-Plugin von Link Research Tools, konnten mittels einer Messung, die tatsächlichen Verlinkungen angezeigt werden.

3xx Weiterleitungen und ihre Bedeutung
Der funktionierende Link zeigt eine Weiterleitungen vom Typ 301 und vom Typ 302. Per Definition sind diese wie folgt einzustufen:
301 - Weiterleitungen gelten als "permanent verschoben". Diese Verlinkungen geben alle Linkpower an den Ziellink weiter.
302 - Weiterleitungen gelten als Status "found" und sind Weiterleitungen, die kein Rankingpower weitergeben, so schreibt z.B. OnPage.org in seinem Wiki.
Mit diesen Informationen über Redirects im Hinterkopf bedeutet das, dass ein Link, der via 302 weiterleitet, keine Rankingpower übergibt und somit wie ein "removed Link" zu werten ist.
Wenn dem so ist, dann macht ahrefs alles richtig (übrigens auch Majestic und MOZ sehen das so).
Widerlegung: 302 übergibt Rankingpower
Leider gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass 302-Weiterleitungen eben doch Rankingpower mit geben. Zu allererst ist da die Analyse meines Kollegen Derek Devlin. Er konnte nachweisen, dass Penalties, also Abstrafungen von Google, sehr wohl weitergegeben werden.
Christoph Cemper von Link Research Tools konnte in einem Test nachweisen, welche Weiterleitungen momentan den höchsten Einfluß auf das Ranking in den Suchmaschinen hat. Im Juli 2016 hat Google bestätigt, dass alle 30x-Weiterleitungen auch PageRank vererben.
Auch wenn PageRank tot ist, bedeutet dies, dass die Wertigkeit eines Links weitergegeben wird, egal mit welchem Redirect dies geschieht.
Dazu habe ich mich bei Gary Illyes rückversichert.

Generell denke ich: 30x-Weiterleitungen sollten so verwendet werden, wie sie von W3C gedacht waren. Und "found" ist einfach etwas anderes als "permanently moved". So sollte das auch für die meisten Suchmaschinen gelten - offensichtlich nicht aber für Google.
Wie Cemper zeigte, sind 302 Redirects im Moment der schnellste Weg bei einem Relaunch, um die Backlink zu erhalten.
Wenn Google sowohl die Abstrafungen als auch die Rankingpower bei 30x-Weiterleitungen weitergibt, müssen die Ergebnisse von ahrefs, MOZ und Majestic differenziert betrachtet werden.
Und dies ist - wieder einmal - der Beweis für die alte SEO-Weisheit "Verlasse dich niemals auf ein einziges Tool".
Weiterführende Informationen:
