Google ist keine Suchmaschine, sondern eine Antwortmaschine

Eigentlich war Google schon seit dem Release 1998 als Antwortmaschine konzipiert. „Informationen der Welt zu organisieren und allgemein zugänglich und nützlich zu machen.“, lautete das erklärte Ziel.

Die Tendenz zur Antwortmaschine war von Anfang an vorhanden und spätestens seit der Übernahme von DeepMind klar erkennbar. Dies wurde als starke Abweichung zu den rein technischen Rankingfaktoren zuvor empfunden.

Mit den eingeschränkten Möglichkeiten der Jahrtausendwende wurden früher alle technischen Elemente eines Dokuments herangezogen, die potentiell eine Auskunft über die Wertigkeit des Seiteninhalts für den Benutzer geben konnten. Es ging darum, Informationen zu ordnen und somit schneller und einfacher auffindbar zu machen.

Googles Erfolg stammt größtenteils von den in den Suchergebnissen geschalteten Werbeanzeigen und konnte sich nur halten, weil die Bedürfnisse der Nutzer mit steigendem Niveau befriedigt werden. Selbstverständlich sind unter solchen Umständen Manipulationsversuche nicht erwünscht.

Ehemals war es möglich, dass eine Website in den Top-Platzierungen rankte, ohne dass sie etwas mit dem Suchwort zu schaffen hatte. Zum Beispiel durch Link-Netzwerke. Wer etwas Bestimmtes sucht und dann solche Websites ausgeliefert bekommt, der wird diese Suchmaschine nicht wieder benutzen. Ergo werden die Betreiber der Suchmaschine dieses Szenario verhindern wollen.

Deshalb ist die immer stärker werdende Tendenz zur Antwortmaschine als unabwendbar für den Erhalt von Googles Erfolg zu betrachten. Aber neu ist sie nicht.

Mit jedem Google-Update werden Möglichkeiten zur Manipulation der angezeigten Suchresultate reduziert. Informationen, die nach Meinung von Google für den Suchenden unnötig sind, werden ausgeschlossen.

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Wer hier noch SEO betreiben möchte, muss eher wie ein Mensch, als eine Suchmaschine denken.

Das belegt besonders die Antwort von Gary Illyes (Webspam Team Google) auf der PubCon in Las Vegas 2016 auf die Frage, welche die wichtigsten Punkte sind, die Webseitenbetreiber im Fokus für das Jahr 2017 haben sollten. Nämlich Machine Learning, AMP und strukturierte Daten.

Googles Machine Learning mit dem Ziel, Anfragen besser zu verstehen und vorauszuahnen

Mit der Technik des maschinellen Lernens ist es Googles KI, DeepMind, nun möglich, anhand von Beispielen selbstständig zu lernen, ganz wie ein menschliches neuronales Netz. Somit muss nicht mehr jedes Antwortszenario überprüft werden, sondern die schnellste Antwort wird durch den Abgleich mit bestehenden Daten ausgeliefert. Skynet? Nein, Google.

AMP – Mobile Seiten zuerst

AMP (Accelerated Mobile Pages), eine eingeschränktere HTML-Version für mobile Websites, ist durch den Mobile First Index ins nähere Visier gekommen. Der Mobile First Index sieht vor, dass mobile Versionen von Websites vor ihrem Desktop-Äquivalent indexiert werden. Diese Entscheidung beruht darauf, dass die mobile Suche seit Jahren über 50% aller Suchanfragen ausmacht und stetig steigt.

Mit AMP ist es möglich, Code standardisiert zu verschlanken und somit eine erheblich geringere Ladezeit zu erreichen. Da die Ausgabe der mobilen Website darüber hinaus als Cache-Version auf einen Google-Server erfolgt, sind Ladezeiten zwar einheitlich und äußerst userfreundlich, die Auswirkungen auf den Traffic des eigentlichen Website-Betreibers jedoch umstritten. Das Google AMP-Projektteam gelobt Besserung.

Strukturierte Daten – so holt sich Google die Informationen, die es braucht, ohne dass Google die dazugehörige Website benötigt

Mit Hilfe von strukturierten Daten, einem Auszeichnungsverfahren nach einem vorgegebenen Schema, ist es Google möglich, bestimmte Inhalte direkt auf der Ergebnisseite auszuliefern. So kann jemand, der lediglich nach einem Konzert sucht, diese Informationen bereits auf der Suchergebnisseite finden, auf das Ergebnis klicken und wird dann zu einem Ticketservice weitergeleitet (Wie auch immer die Entscheidungskriterien dafür sind…).

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So können bereits Flüge, Hotels und verschiedenste Veranstaltungen direkt auf Google gesucht werden. Dafür bündelt Google Informationen aus strukturierten Daten in Portalmanier – schlecht für Portalanbieter, gut für Google.

Die Vorstufe dazu, die Gewichtung der Rich- und Featured Snippets, kann man schon heute beobachten.

Anfangs wurde vorselektierter Inhalt nur bei sehr einfachen Fragen ausgeliefert, wie zum Beispiel dem Wetter:

Wetterinformationen in Google

Gegenwärtig wird das Ergebnis auch nach Stadtteil-Ebene ausgeliefert

 

Für Wettervorhersagen, Rechnungen, Währungen und vieles mehr wurden eigene Inhaltsausgabe-Formate geschaffen, die direkt als Antwort eingeblendet werden.

Tschenrechnerfunktion in Googlewaehrung Und das war erst der Anfang:tanzen lernen

Ein Video-Thumbnail in voller Größe kann man natürlich auch hervorragend zu Werbezwecken nutzen:

Video Thumbnail in Google

Sehr deutlich sieht man den Hinweis auf die Tour. Wer die Musik gerne hört und davon überzeugt wurde, kann auch nach den Konzertkarten dazu googeln…

Konzerttermine in Google finden

… eine Location aussuchen, die man besuchen möchte…

Tickets für eine Veranstaltung buchen in Google

… und mit einem Klick auf die Quelle (unterer Rand) sofort Tickets bestellen.

Was noch fehlt? Jetzt noch schnell den passenden Flug…

Flug zum Konzert über Google buchen

… und das Hotel dazu buchen – für die After-Show-Party nach bester Rock’n’Roll-Manier. Und das alles von einer Ergebnisseite aus.

Hotelbuchung von der Google SERP-Seite aus

Das alles ist realisierbar, ohne dass die Suchergebnisseite wirklich ernsthaft verlassen werden muss – eben weil die Suchmaschine Google mehr und mehr eine Antwortmaschine wurde.

Google Künstliche Intelligenz – Wie Google lernt, vorauszusehen, was wir eigentlich wollen.

Mit der ständigen Ausweitung und Anpassung der KI wird Google immer besser darin, die Absicht hinter einer Suchanfrage zu verstehen.

Von Pizzeria..

Über Google ine Pizza in Stuttgart bestellen

…über Interpreten…

Wer schrieb die deutsche Nationalhymne

…bis zum Songtext

Songtexte finden auf Google

(den vollständigen Text gibt es dann bei Google Play Musik, wo man das Lied im übrigen auch gleich als MP3 kaufen kann)

und kompletter Discographie…

Lieder und Alben finden in Google

…Google liefert direkte Antworten auf die Fragen der Nutzer.

Man erhält auch interaktive und komplexe Antworten, wenn Inhalte von Google mit der Quelle vereinbar sind.

z.B. hier bei der Weltbank:

Informationen zu komplexen Fragen

Google gibt dabei die Quellen an, damit man zum Ursprung der Information findet. Die Antwortmaschine dient als intelligentes Wikipedia.Lexikoninformationen von Google

Auch Übersetzungen von Redewendungen in mehr als 26 Sprachen gelingen ganz ohne Klick:

Übersetzungen in Google

Und der letzte Schrei – Antworten im Audio-Format:

koller-koller - Antworten im Audioformat von Google

Google lernt Mensch zu sein

So witzig das hier scheint. Mit Produkten wie Amazon Echo, Cortana, Siri oder OK-Google werden wir künftig mehr und mehr Anfragen über unsere Stimme stellen. Die Produkte werden in unsere Wohnungen lauschen und versuchen die passenden Informationen parat zu haben.

Skynet - Ist unsere Zukunft mit Google wie Skynet in Terminator?

(Quelle: http://de.terminator.wikia.com/wiki/Skynet)

Erst vor wenigen Wochen veröffentlicht Wired einen Artikel darüber, dass Googles künstliche Intelligenz lernt, wie ein Mensch zu reden. Sprachassistenten wie der von Google oder Apples Siri könnten bald weniger wie Roboter und mehr wie tatsächliche Menschen klingen. DeepMind, die Künstliche-Intelligenz-Forschungsabteilung von Google, hat einen neuen Ansatz für die Sprachausgabe von Maschinen gefunden. WaveNet heißt das Modell, für das rohe Audiosignale herangezogen werden.

Das System erstellt 16.000 Samples pro Sekunde, wobei die Maschine mit jedem produzierten Signal dazulernt. Die Aufnahmen menschlicher Stimmen werden genutzt und dann bildet die Maschine diese Stimmen nach und kann damit ihre Prognose für die nächste Sprachausgabe verbessern.

Damit weiß Google bald schon, was wir als nächstes sagen werden und kann dann Antworten parat halten:

Viele dieser Direktantworten beantworten die Fragen des Nutzers so genau, dass keine weitere Suche mehr nötig ist. Nur wer wissen möchte, dass „naQ QamchoH ghaH tIr ngogh“ auf Klingonisch „Vollkornbrot“ bedeutet, muss sich an Bing (Bing = Because it’s not Google) wenden.

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Martin Luther King in der Knowledge Box

In der sogenannten „Knowledge Box“ am Ende einer Suchergebnisseite (früher rechts am Seitenanfang) können Auszüge aus einem Wikipedia-Artikel stehen, angereichert um ähnliche Informationen aus dem Knowledge-Graph. Oder auch lokale Informationen zu Unternehmen und Einrichtungen aus Google My Business.

Die Oper in Google my Business

Auch die  Einführung des „Google Assistant“ neulich als Erweiterung für Google Allo beweist eine ausgeprägte Antwort-Affinität. Per Spracheingabe kann man so ziemlich jede Frage stellen und bekommt direkt eine präzise Antwort. Auf die Frage, ob ich heute Abend einen Regenschirm gebrauchen könnte, lieferte der Google Assistant das genaue Wetter für meinen derzeitigen Standort:

Google Allo antwortet ausführlich auf Fragen

 

Und wenn ich darum bitte, mein Tagesprogramm zu zeigen, liefert der Google Assistant meine Termine – auf Wunsch auch meine To-Do-Liste:

Google nennt mir meine Termine und To Dos

Seit neuestem auch auf deutsch.

Offensichtlich verfügt der Google Assistant auch über eine Prise (programmierten) Humor:

Google Assistant

 

Schöne neue Welt

Von einer Welt, wie von George Orwell oder Aldous Huxley schon in den 1930er Jahren beschrieben, sind wir heute nicht weg. Skynet, eine intelligente und sich gegen den Menschen richtende Intelligenz, wie in der Terminator-Serie mit Arnold Schwarzenegger zelebriert, wird mehr und mehr eine ernste Zukunftsvision.

Google lernt, bedient unsere Häuser, weiß was wir suchen und kann vermehrt uns die Dinge anbieten, an die wir noch nicht denken. Manipulative Werbeaktionen, in denen wir Menschen zu Käufen getrieben werden, die wir gar nicht brauchen, hat man schon mit der Werbung der 1950er Jahren vorausgesagt. Haben wir Menschen uns einlullen lassen? Manche vielleicht. Werden wir es jetzt tun? Sind wir nicht schon mitten drin?

Die Maschine erleichtert uns das Leben. Wir müssen lernen, dass wir uns nicht bestimmen lassen – denn die Maschine schleicht sind an (und ein), uns mitzubestimmen. Und ganz langsam übernimmt sie das Vordenken.

Aldous Huxley beschrieb eine Gesellschaft in der Zukunft (2540 n.Chr.), in der „Stabilität, Frieden und Freiheit“ gewährleistet scheinen. Menschen werden klassifiziert und herangezüchtet. Alpha-Plus Menschen werden Führungskräfte, Epsilon-Minus die Arbeitsbiene. Der Mensch ist konditioniert auf eine permanente Befriedigung durch Konsum, Sex und eine Droge, die den Mitgliedern der Gesellschaft das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen der Weltordnung nimmt. Die Regierungen bilden Kontrolleure, die von der Bevölkerung wie Idole verehrt werden. Sind das unsere heutigen Youtube-Stars, denen ein jugendliches Volk bereits alles abkauft und die profitieren von den Werbeeinblendungen mittels Google AdWords auf die Videos?

 

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Ralf Seybold

Diplom-Betriebswirt (FH) bei SEYBOLD - Agentur für Sichtbarkeit
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Sichtbar statt SEO.

Inhaber bei SEYBOLD - Agentur für Sichtbarkeit, Begründer des Sichtbarkeitsmanagements, IT Professional seit 1989, Internet Professional seit 1998

Top 100 SEO Dienstleister

Autor verschiedener Publikationen, regelmäßig Experte bei IMPULSE - Das Unternehmermagazin, Experte bei Website Boosting,

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Verfügbar als Consultant, Dienstleister und fürSeminare, Vorträge
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