Die neue Bing-Suche mit Chatbot – Praxistest und SEO-Tipps


Microsofts Suchmaschine Bing liegt seit Jahren im Vergleich zur Google-Suche in der Nutzerakzeptanz zurück. Während das Unternehmen in Nordamerika noch einen beachtlichen Marktanteil hat, erreicht Microsoft in Europa nur wenige Prozent. Das ändert sich jetzt. Denn der Konzern hat den Chatbot ChatGPT in die Bing-Suche integriert.

Satya Nadella, geschäftsführender Vorstand von Microsoft, kündigt im Firmensitz in Redmond das neue Bing mit ChatGPT an (Foto von Dan DeLong)

 

Zusammen mit einem ebenfalls verbesserten Edge-Browser ist das nicht nur wirtschaftlich interessant. Die Kombination aus Chatbot und Websuche hat das Potenzial das Suchverhalten dauerhaft zu verändern – mit Folgen für die Suchmaschinenoptimierung und Ihre Webseite. Doch, was kann das neue Bing überhaupt schon und wie wirkt sich die integrierte ChatGPT-Software in der Suchmaschine aus? Was bedeutet das für Ihre SEO-Arbeit?

 

Das Wettrennen um die nutzerzentrierte KI in der Websuche

Mit der Veröffentlichung von ChatGPT von Open AI ist ein regelrechtes Wettrennen gestartet. Microsoft hat das Potenzial der künstlichen Intelligenz früh erkannt. Der Konzern hat sich Anteile an der Entwicklung gesichert und mit Open AI eine umfassende Kooperation gestartet. Durch eine langfristige "Multi-Milliarden-Dollar-Investition" soll der Durchbruch von OpenAI durch Microsoft beschleunigt werden. (Quelle: tagesschau)  

Das blieb nicht ohne Folgen bei der Konkurrenz. Als Bing den Einsatz des Chatbots in der Suchmaschine Bing ankündigte, löste das bei Google offenbar einen internen „Code Red“ aus. Der Tech-Gigant hatte zunächst mit Bard ein konkurrierendes Angebot für die Google-Suche angekündigt, dann aber intern die Erwartungen deutlich gedämpft. Zwischenzeitlich kann Bard über die experimentelle Seite Meet Bard (google.com) getestet werden. Leider ist die Beta-Version noch nicht in allen Sprachen verfügbar. Vor allem in Europa, was auf Probleme hinsichtlich der DSGVO-Problematik schließen lässt. Bard ist ein direktes Interface zu einem LLM (Large Language Model), das eine spezielle Variante von Googles KI LaMDA darstellt. Bard gibt aktuell verschiedene Versionen der Ergebnisse vor, die vom Nutzer ausgewählt werden können. Eine enge Verzahnung mit Google Search ist gewollt, so dass man über einen Klick auf "Google it" entsprechende Vorschläge für Suchanfragen erhält und die Ergebnisse in einem neuen Tab mit relevanten Ergebnissen für eine weitere Nachverfolgung öffnen kann. Auf der Google I/O wurde die neue Suche via Bard als PaLM2 vorgestellt.

 

Erstmals „antwortet“ die Suche im Dialog

Die Wartezeit für den Chatbot von Bing ist zwischenzeitlich nicht mehr wirklich existent. Man erhält schnell den Zugang zum Chatbot. 

Neu ist der Ansatz, dass Sie als Nutzer nicht einfach nur eine Suchphrase eingeben kannst und dann eine Liste von Treffern erhältst. Sie können direkt mit dem Chatbot kommunizieren und er liefert im Dialog kurze oder ausführliche Antworten, verbunden mit einer nachprüfbaren Quelle.

Das hat Gesprächscharakter und fühlt sich fast wie ein menschlicher Dialog an. Die Quellen bieten die Möglichkeit, die Links direkt anzusteuern. War am Anfang vor allem in der mobilen Version die Suche zugunsten des Chats nach unten gerutscht, existiert nun die klassische Suche parallel zum Chat. 

Microsoft geht aber noch weiter. Das Unternehmen hat angekündigt, den Chatbot über den Edge-Browser oder per App auch für andere Anwendungen anzubieten. So ist ein Zugriff auf linked.in sowie via Skype und auf Mobilgeräten geplant. Dort wird der Chatbot jeweils als Unterstützung beim Schreiben dienen. Eine Integration in die Office Produkte ist bereits realisiert. Word und Outlook können mit ChatGPT bereits automatisiert werden.

Microsoft bietet eine Chatbot-Unterstützung für linked.in an

 

Das neue Bing basiert auf ChatGPT4

Microsofts Chatbot basiert nicht auf dem bekannten Textgenerator ChatGPT3. Das Unternehmen nutzt für Bing bereits eine deutlich verbesserte Version. Die KI hat Microsoft zudem mit einem eigenen KI-Modell Prometheus kombiniert, das die Textausgabe weiter optimiert und bessere Ergebnisse liefern soll.

 

In der Praxis zeigt sich, dass die Implementation der KI-Software bei Bing deutlich schneller ist und belastbare Quellen liefern kann, als über den Chatbot bei OpenAI. Das ist bei allen Gemeinsamkeiten ein wichtiger Unterschied zu Ausgaben von ChatGPT als Textgenerator direkt bei Open AI. 

 

Der Chatbot von Bing setzt auf eine Frage, ob ein gekaufter Sitz in ein Auto passt, weiterführende Links nach der Antwort

 

Die Oberfläche: Das neue Bing mit ChatGPT nutzen

Um den Chatbot überhaupt nutzen zu können, müssen Sie  derzeit noch einen Zugang beantragen. Dazu ist es erforderlich, ein Microsoft-Konto zu haben oder zu eröffnen.

Die praktische Handhabung startet mit einer normalen Sucheingabe in das neue Bing. Die Suchmaschine liefert keine übliche Trefferliste. Stattdessen öffnet sich ein Chat, über den die zur Frage passenden Information ausgegeben werden. Ist dies nicht der Fall, müssen Sie zuerst auf den Chat Button klicken. 

Im Unterhaltungsstil kann gewählt werden zwischen einem eher kreativen, einem eher präzisen oder einem ausbalancierten Unterhaltungsstil.

 

Praxisbeispiel: So funktioniert der Chatbot bei Bing

Anders als beim klassischen ChatGPT-Tool bekommen Sie nicht nur die Antworten, sondern Bing reichert diese mit Quellen und weiterführenden Links an. Sie können wahlweise weiter mit dem Bot „sprechen“ oder die Links zur vertieften Recherche nutzen. Ein paar Beispiele aus der Praxis geben einen Eindruck, wie das funktionieren wird. 

Auf die erste Eingabe in einer Testabfrage nach Ralf Seybold liefern sowohl die Suche links, als der Chatbot rechts eine Antwort. Die Informationen sind knapp, aber prägnant zusammengefasst und bieten Quellen.

 

Bing beantwortet die Frage: Wer ist Ralf Seybold?

 

Nach dem Einstieg richtet sich die nächste Frage direkt an den Chat und zielt auf die Fachpublikationen von Ralf Seybold ab. Die Antwort ist wieder passend und wieder sind Quellen verlinkt.

Der Chatbot von Bing beantwortet die Frage nach Fachpublikationen von Ralf Seybold

 

Die nächste Frage rückt die Bezugsmöglichkeiten für diese Bücher in den Mittelpunkt. Auch hier beantwortet der Chat von Bing die Frage befriedigend und gibt mehrere Links an.

Der Chatbot von Bing liefert Bezugsquellen für die Bücher von Ralf Seybold

 

Nun kommt eine spannende Frage, die sowohl privat als auch geschäftlich zu verstehen ist. Die Eingabe „Ralf Seybold Partnerschaft“ liefert ein erstaunliches Ergebnis, das durch Quellen abgesichert ist und durchaus zutrifft.

Der Chatbot von Bing beantwortet eine Frage zur Partnerschaft von Ralf Seybold

 

Es ist kein Geheimnis, dass es eine Kooperation mit diesem SEO Tool gibt. Die direkte Frage nach einem Bezug zwischen beiden beantwortet der Chatbot korrekt und mit den richtigen Quellen.

Der Chatbot von Bing listet die besten Allrounder-SEO-Tools auf

 

Diese Testfragen liefern insgesamt ein gutes Ergebnis. Besonders interessant ist, dass es Bing gelingt, die passenden Quellen oder sinnvolle weiterführende Links anzufügen. Das wird vielleicht nicht bei allen Fragen klappen, ist aber ein Fingerzeig in die richtige Richtung. Denn genau diese Verknüpfung von Text und belastbaren Quellen fehlte ChatGPT bisher. 

 

Das veränderte Suchverhalten beeinflusst die Suchmaschinenoptimierung

Ein Blick auf den Praxistest und die von Microsoft selbst vorgestellten Beispiele zeigt, wie sich die Suche verändern kann. Für Sie als Webseitenbetreiber bedeutet das eine völlig neue und durchaus beachtliche Herausforderung. 

  • Die direkte Kommunikation wird den Fokus von der Trefferliste auf den Dialog mit dem Chat verschieben.
     
  • Klicks aus den Chatantworten wird es nur bei echtem Interesse geben. Gerade kurze Faktenantworten werden voraussichtlich keine weitere Recherche und keine Klicks auf Links zur Folge haben. Zugleich werden die dort gesetzten Links trotzdem wertvoll. Denn die Recherche findet aus dem Chat heraus statt.
     
  • Damit die eigene Webseite überhaupt Inhalte für den Chatbot von Bing bereitstellen kann, muss sie perfekt optimiert sein. Das ist auch erforderlich, um als Quelle oder als Ziel für weiterführende Informationen Links in Betracht zu kommen.
     
  • Die ersten organischen Treffer sind deutlich weniger prominent eingeblendet. Der Kampf um das Erreichen der ersten Seite wird spätestens jetzt ein Kampf um Platz 1. 

 

Viele Konsequenzen aus der neuen Suche von Bing lassen sich nur erahnen. Aber es gibt einen wesentlichen Punkt, über den Sie sich schon jetzt Gedanken machen sollten. Das gilt auch dann, wenn vorerst nur Bing einen Chatbot in die Suche integriert und Google erst später nachzieht. Denn das Suchverhalten wird sich voraussichtlich sehr stark ändern – zumindest mittelfristig. 

Sofern die Chatbots eine ausreichend gute Qualität liefern, werden Sie vermutlich einen wesentlichen Teil der Suchanfragen auffangen. Das bedeutet für Sie zugleich, dass Sie die Inhalte zukünftig auf die besonderen Anforderungen eines Chatbots optimieren sollten. Nur wenn die Crawler Ihre Informationen verstehen und bewerten können, werden Ihre Seiten bei den Antworten berücksichtigt werden können.

 

Folgen für SEO – die eigene Webseite muss perfekte Antworten liefern!

Mit dem Bing Chat ist Microsoft die Integration eines KI-Chats in die Suche gelungen. Tatsächlich gewinnt Bing seit dem Start des KI-Chats an Usern und kann Google einige Nutzer abknapsen. Bing gewinnt tatsächlich an Bedeutung - was sich auch an der Börse zeigt. Selbst wenn das nicht oder nicht sofort klappt, ist ein wichtiger Pfad in die Zukunft vorgegeben. Über kurz oder lang wird einer der großen Anbieter die Suche auf einen Chat umstellen. 

Dieser Zukunftstrend verändert auch die Suchmaschinenoptimierung. Genauer gesagt spitzt sie die bisherigen Maßnahmen noch einmal zu und zwingt Sie zum Handeln. Ohne SEO wird es zukünftig noch deutlich schwerer sein, Ihre Webseiten bei Bing oder Google weit vorn zu platzieren. Ebenso wird es unwahrscheinlich, dass sie überhaupt eine Quelle für Antworten im Chat sein werden oder dort als Verweis erscheinen. Wichtige Stellschrauben sind insbesondere Onpage-Maßnahmen.

 

  • Keywords: Die Präsentation der Ergebnisse erfordert, dass die Suchmaschinen Ihre Seite als relevant einstufen. Sie sollten ganz gezielt die passenden Keywords in Ihren Content integrieren. Das schließt relevante Nebenkeywords und Synonyme ein, die das perfekte Umfeld für das Hauptkeyword schaffen.
     
  • Strukturierte Daten: Mit Mikrodaten zeichnen Sie den Content Ihrer Webseite aus. Die Crawler können so einzelne Passagen Ihrer Webseite besser verstehen und die Relevanz für bestimmte Suchbegriffe einschätzen. Das ist vorteilhaft, um überhaupt bei passenden Suchanfragen berücksichtigt werden zu können.
     
  • Inhaltsstruktur: Eng mit den strukturierten Daten hängt die Aufbereitung Ihres Contents zusammen. Nutze Bilder, Videos und andere Formate, setze Zwischenüberschriften mit relevanten Suchphrasen, ergänze FAQ und nutze Listen oder Tabellen und ähnliche Stilmittel. Das lockert den Inhalt auf, schafft Mehrwert und gliedert den Content in verständliche Teilbereiche.
     
  • Qualität: Sie werden es schwer haben, mit durchschnittlichem Inhalt zur empfohlenen Quelle zu werden. Der Chatbot wird Ihre Webseite vermutlich nur berücksichtigen, wenn Sie wirklich weiterführende, eigenständige und umfassende Informationen zu einer Suchanfrage bieten. Je origineller und besser der Content ist, desto leichter lassen sich voraussichtlich prominente Erwähnungen erzielen. 
     
  • Sprache: Der Chatbot beantwortet derzeit Fragen in relativ einfacher Sprache. Eine gute Lesbarkeit ist für Leser verständlicher und hilft dem Chatbot wahrscheinlich, den Inhalt wiederzugeben. 
     
  • Webseitenstruktur: Relevanz schaffen Sie durch eine gute Struktur auf Ihrer Webseite. Achte darauf, dass Inhalte sich in passenden Rubriken und in passenden Navigationsbereichen finden. Außerdem können interne Links dazu beitragen, die Gewichtung von Seiten und den Content zu erklären. Selbst eine gut bezeichnete URL kann hilfreich für Crawler sein.
     
  • Technisches SEO: Mehr noch als zuvor können Serverfehler und ein langsamer Seitenaufbau eine gute Position sowie die Aufnahme in die prominenten Linkplätze bei Bing oder auch Google erschweren. Mit technischer Suchmaschinenoptimierung schaffen Sie eine gute Grundlage, um diese Positionen zu erreichen. 
     
  • Entscheidung darüber, ChatGPT zuzulassen oder auszusperren: Möchten Sie Ihre erarbeiteten Inhalte der KI zur Verfügung stellen oder lieber nicht? Das ist eine entscheidende Frage. Dies gilt vor allem auch für zukünftige Produkte, in die OpenAI integriert sein wird, also nicht nur Microsoft Bing.

     

ChatGPT - KI von der eigenen Website aussperren - so gehts

In der robots.txt können Sie definieren, ob die KI Ihre Inhalte lesen und nutzen darf oder nicht.

Alle Inhalte blockieren:

User-agent: ChatGPT-User

Disallow: /

Ausgesuchte Inhalte oder Verzeichnisse erlauben

User-agent: ChatGPT-User

Disallow: /

Allow: /folder1/

Allow: /folder2/

Allow: /dies-ist-ein-Inhalt.pdf

 

Wenn Sie den Bot komplett über die IP blockieren möchten, dann sollten Sie den IP-Adressbereich wissen, den OpenAI verwendet. Dieser ist 23.98.142.176/28

 

SEO-Tools unterstützen die Optimierung an der Webseite

Übrigens gelten die oben genannten Maßnahmen durchweg generell für SEO und nicht nur für die Verbesserung für den OpenAI-Chatbot. Diese Standards der Onpage-Optimierung und technisches Best-Practise-Vorgehen helfen Ihnen generell dabei, Ihre Website zu verbessern. Sie fördern so die Chance auf gute Rankings – auch in der klassischen Websuche. 

Bei der Umsetzung sind SEO-Tools eine sehr gute Hilfe. Denn die Werkzeuge sind so programmiert, dass sie viele der oben genannten Punkte automatisiert bewerten. 

Angebote wie On Page SEO Checker oder SEO Writing Assistant sowie Site Audit liefern Ihnen konkrete Hinweise auf Fehler, Verbesserungsmöglichkeiten und ungenutzte Potenziale. Folgen Sie einfach nur den Anweisungen und Vorschlägen, haben Sie Ihre Seite aus SEO-Sicht bereits nachhaltig verbessert und für Crawler verständlicher gemacht. 

Genau das ist das Ziel. Denn je besser Suchmaschinen wie Bing oder Google Ihren Inhalt verstehen, desto eher rücken Sie dort in der organischen Suche voran. Zugleich schaffen Sie die Voraussetzungen, dass ein in die Suche integrierter Chatbot wie bei Bing Ihre Inhalte zusammenfasst und einen Link zu Ihrer Webseite nennt.

 

Der Trend ist gesetzt, SEO muss ihm folgen

Auch wenn Google zunächst zurückruderte und an der Integration von KI in der Suche arbeitet: Der Trend ist gesetzt. Der Vorstoß von Microsoft mit dem neuen Bing war eine Kampfansage an die Konkurrenz. 

Der Bing-Chatbot kann mehr als ChatGPT. Die Integration von Suchergebnissen in die Antwort ist der „missing link“, den Open AI allein nicht liefern konnte. Durch das Setzen von Quellen und Empfehlungen zur weiteren Recherche entstehen ein neues Sucherlebnis und in der Folge ein neues Suchverhalten. 

SEO ist häufig eine Suchmaschinenoptimierung nur für Google. Das könnte sich ändern. Erfreulich ist dabei: Beide großen Suchmaschinen sind bei allen Unterschieden recht ähnlich. Wenn Sie den Empfehlungen von SEO-Tools und Ihrem SEO-Wissen folgen, werden Sie bei beiden Anbietern bessere Platzierungen erreichen können. 

Das gilt ganz besonders, wenn Sie die Inhalte für einen Chatbot aufbereiten. Es spielt keine Rolle, ob Bing, die Google Websuche oder ein neuer Anbieter einen Chatbot nutzt. Die Angebote benötigen in jedem Fall starke Onpage-Signale, um den Inhalt zu verarbeiten, zu verstehen und wiedergeben zu können. Webseiten ohne SEO-Unterstützung werden es dagegen noch schwerer als bisher haben. 
 

Chatbots in Suchmaschinen kommen. Sei darauf vorbereitet.

 

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