Neuer Rankingfaktor ab 2021: Core Web Vitals

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Google wird 2021 Core Web Vitals als Ranking-Faktoren heranziehen. Bei den Core Web Vitals handelt es sich um Kennzahlen, die die Nutzererfahrung einer Website bewerten sollen. Google möchte dadurch das Nutzererlebnis einer Webseite nachverfolgen und legt dabei den Fokus auf technische Themen. Core Web Vitals wird nicht vor 2021 als Ranking-Faktor verwendet. Sechs Monate vor dem genauen Datum wird detaillierter über den Zeitpunkt informiert. Empfohlen ist, das Thema Core Web Vitals sobald wie möglich anzugehen, denn die Optimierungen sind komplexer und benötigen daher eine gewisse Zeit. Darüber hinaus ist eine frühzeitige Optimierung auch für die Kundenzufriedenheit besser. Websites, die eine kurze Ladezeit besitzen und die dazu nutzerfreundlich sind, beeinflussen nicht nur den Google-Algorithmus positiv, sondern steigern zudem auch die Zufriedenheit der eigenen Anwender.

Beeinflussung der Positionen durch Core Web Vitals zum aktuellen Zeitpunkt

Eine Studie von Screaming Frog zeigt, dass Websites zu weniger als 15% die Kriterien von Google erfüllen.
Beim Messwert Larest Contentful Paint erreichen 43% der mobile URLs sowie 44% der Desktop-URLs die Kriterien. Bei der Kennzahl Cumulative Layout Shift sind es 46% der mobilen URLs sowie 47% der Desktop-URLs die die Kriterien erfüllen. Diese Erkenntnisse zeigen, dass die Mehrheit der Nutzer, die auf Websites Inhalte abrufen, mit einer Ladezeit von mehr als 2,5 Sekunden rechnen müssen und sogar vor ihren Augen springenden Content sehen.

Ergebnisse der aktuellen Studie von Screaming Frog

In der nachfolgenden Abbildung sind die Prozentzahlen von mobilen Geräten sowie Desktop Geräten in Hinsicht auf die Erfolgsquoten der jeweiligen Positionen in Google dargestellt. Die Abbildung zeigt deutlich, dass URLs auf der ersten Position in Google eine Erfolgsquote von 19% auf mobilen Geräten sowie 20% auf Desktop Geräten aufweisen.
Für die Positionen zwei bis fünf sinkt die Erfolgsquote konstant. Das bedeutet, dass bei jeder schlechteren Position die Erfolgsquote um je 2% abfällt.
Die Erfolgsquoten in den Tests von mobilen Geräten bei den Positionen fünf bis neun liegen überwiegend bei 10% und bei den Desktop Geräten bei 11%.
URLs die auf dem ersten Rang in Google stehen erreichen demnach eine 10 % höhere Wahrscheinlichkeit die Core Web Vitals-Kriterien zu erfüllen als Position neun.

Quelle: Screaming Frog

Aufgrund der Ergebnisse der Studie ist es sehr wahrscheinlich, dass sich Core Web Vitals auf die Positionen in Google auswirken, obwohl sie offiziell noch keine Ranking-Faktoren sind. Screaming Frog hält die Wahrscheinlichkeit für sehr gering, möchte aber diese Annahme nicht vollständig ausschließen.

Bei den Core Web Vitals spielt die Ladegeschwindigkeit eine wichtige Rolle. Dieses Kriterium wird im Google-Ranking bereits miteinbezogen. Schnellere Websites haben auch ein besseres Ranking. Je schlechter heute die Position desto geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit, die Core Web Vitals-Kriterien zu erfüllen. Da die Ladegeschwindigkeit kein primärer Faktor für das Ranking ist, spielt auch die bessere Qualität der Inhalte eine wichtige Rolle.

Google legt die nachfolgenden drei Kennzahlen zur Messung von Core Web Vitals fest.

Largest Contentful Paint (LCP)

Mit diesem Messwert wird die Zeit festgelegt, bis der primäre Inhalt der Website für den Anwender im Browser erscheint. Dabei war es in der Vergangenheit der Fall, dass Google den Inhalt zur Bewertung erfasst hat, der zuerst sichtbar war. Nun wird aber der Moment als Bewertung herangezogen, in dem der primäre Content sichtbar wird. Die Berechnung dieser Zeitspanne erfolgt in Sekunden. Google definiert weniger als 2,5 Sekunden als gut. Verbesserungswürdig sind bis zu 4 Sekunden und als schlecht bezeichnet Google mehr als 4 Sekunden.

First Input Delay (FID)

Der FID misst die Interaktionszeit zwischen Nutzer und Seite. Wenn der Content einer Website vollständig sichtbar ist, möchte ein Besucher schnellstmöglich mit dieser Seite arbeiten. Wie schnell diese Interaktion gelingt, wird vom First Input Delay festgelegt. Der FID berechnet demnach die Zeit, wie lange es dauert, bis der Browser auf eine Anforderung vom Nutzer anspringt. Für Google sind bei dieser Kennzahl weniger als 0,1 Sekunden gut, verbesserungswürdig bis zu 0,3 Sekunden und als schlecht werden Interaktionszeiten mit mehr als 0,3 Sekunden festgelegt.

Cumulative Layout Shift (CLS)

Bei dieser Kennzahl liegt der Fokus auf der visuellen Stabilität hinsichtlich einer Website. Teilweise gibt es sehr komplizierte Websites, die Anteile vom Content asynchron laden. Dadurch kann dem Nutzer eine kürzere Ladezeit gewährleistet werden. Liegt keine Abstimmung zwischen diesen Ladevorgängen vor, so kann dies zur Folge haben, dass der angezeigte Inhalt der Seite vor den Augen der Nutzer beginnt auf- und abzuspringen, obwohl der User ihn aber zu diesem Zeitpunkt längst lesen möchte. Beim CLS legt Google den Wert weniger als 0,1 als gut fest, bis zu 0,25 als verbesserungswürdig und als schlecht mehr als 0,25.

  

 

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Core Web Vitals an einem Beispiel. Dabei sind die schlechten URLs, die optimierungsbedürftigen sowie die guten URLs ersichtlich und werden in den Details näher erläutert.

 

Das nachfolgende Beispiel zeigt eine gezielt ausgewählte URL. Dabei sind die Kennzahlen CLS, FID und LCP ersichtlich.

 

 

Google zieht bezüglich der Core Web Vitals jedoch noch Veränderungen in Betracht und möchte sich nicht ausschließlich auf diese drei Kennzahlen zur Bewertung festlegen. Werden Kennzahlen verändert oder erweitert, wird diese Entscheidung rechtzeitig angekündigt.

Wie misst man die Core Web Vitals?

Google nimmt zwei Ansätze zur Messung der Core Web Vitals heran. Zum einen sogenannte Labor-Daten und zum anderen Feld-Daten. Empfohlen wird eine Kombination beider Ansätze, um das bestmögliche Ergebnis für die Messung der Core Web Vitals zu erhalten.

Labor-Daten

Wie der Name bereits verrät, werden bei dieser Datengewinnung Messungen im eigenen Labor und unter selbst kontrollierten Gegebenheiten ausgeführt. Ein Vorteil dieser Labor-Daten ist es, dass diese Art von Daten immer die gleichen Ergebnisse generieren, außer es werden Veränderungen an den Größen oder Gegebenheiten getätigt. Die Qualität dieser Daten ist also von den festgelegten Mess-Gegebenheiten abhängig. Labor-Daten beinhalten jedoch kein reales Verhalten der Nutzer, was als negativer Aspekt betrachtet werden kann.

Feld-Daten

Bei den Feld-Daten werden die Werte der Core Web Vitals von realen Usern der eigenen Website herangezogen und aufbereitet. Dies wird möglicherweise über individuelle JavaScrpit-Einbindungen vollzogen oder über Messungen, die automatisch verlaufen. Google selbst nimmt Felddaten im Core Web Vitals-Bericht aus der Google Search Console.

Wie optimiert man die Core Web Vitals?

Es gibt keine unmittelbare einfache Lösung, um die Core Web Vitals zu verbessern, denn jede Website ist individuell. Jeder muss seinen eigenen Core Web Vitals verstehen und anschließend individuell optimieren, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Um das benötigte Verständnis bezüglich diesen Core Web Vitals aufzubringen, wird teilweise ein fundiertes Fachwissen benötigt, da die Core Web Vitals technisch gesehen sehr komplex sein können.

Google selbst hat einige Optimierungsmöglichkeiten festgehalten, die Sie hier einsehen können. Relevant für den LCP sind jedoch die Antwortzeiten des Servers, Rendering-Blocking, Ressourcen-Ladezeiten sowie Client Side Rendering. Wichtig für den FID sind folgende Aspekte: Beschleunigung der JavaScript-Ausführung, Entlastung Main-Thread und das Reduzieren von Requests und Dateigröße. Beim CLS sollte darauf geachtet werden, die Bestandteile nicht hinsichtlich der Größe zu ändern. Außerdem spielen hier die Größenangaben von Videoteilen oder Bildern eine wichtige Rolle. Zudem sollte kein Content zu Beginn der Seite automatisiert eingesetzt werden.

Fazit

Es ist sehr sinnvoll bereits jetzt an den neuen Stellschrauben zu drehen. Eine Optimierung hilft den Besuchern und steigert die User-Experience. Und die bessere Nutzbarkeit hilft heut schon zu besseren Rankings und verbessert morgen den Rang in Google vermutlich erheblich.

Quellen:

https://web.dev/vitals/

https://webmasters.googleblog.com/2020/05/evaluating-page-experience.html

https://www.screamingfrog.co.uk/passing-the-cwv-assessment/